Der Tod eines Ted-Herold-Fans

Bad Homburg. 

Ende der 1950er Jahre, als Elvis gerade seinen Militärdienst in Friedberg ableistete und Ted Herold von Bad Homburg aus als „deutscher Elvis“ die Hitparaden stürmte, erfasste das Rock ’n’ Roll-Fieber nicht nur Westdeutschland. Auch in der damaligen DDR war die neue Musik für die Jugend ein Mittel des Protestes. Und so war es ein gewagtes Unternehmen von Michael Gartenschläger und seinen Freunden 1960 in Strausberg, nordöstlich von Berlin, einen Ted-Herold-Fanclub zu gründen.

Für die SED-Diktatur war das ein verbotener politischer Akt, der den Staatsfrieden gefährdete. Und so begannen die üblichen Mechanismen gegen die jungen Leute – wie berufliche und private Repressalien, Stasi-Überwachung etc. Der Fanclub wurde Anfang 1961 sogar offiziell verboten.

Mit dem Bau der Berliner Mauer und der undurchdringlichen Befestigung der Grenzen am 13. August 1961 fühlten sich die Mitglieder des Ted-Herold-Fanclubs noch mehr eingesperrt. Wohl aus diesem Gefühl heraus starteten sie Aktionen, die zwar illegal, aber durchaus verständlich waren. Unter anderem wurden Parolen an Wände gesprüht wie „Heute rot, morgen tot“ oder „Macht das Tor auf!“. Aus Protest gegen die Mauer wurde auch eine frei stehende Scheune angezündet, es entstand geringer Sachschaden. Was heute mit einer Bewährungsstrafe und Arbeitsstunden bestraft wird, endete damals nach einem Schauprozess mit einer lebenslangen Zuchthausstrafe für die jeweils 17 Jahre alten Hauptangeklagten Michael Gartenschläger und Gerd Resag. Der Staatsanwalt hatte sogar die Todesstrafe gefordert. In der Haftzeit entwickelte sich Gartenschläger vom protestierenden Jugendlichen zum ernsthaften Gegner des SED-Regimes. Nach etwa zehnjähriger Haft wurde er 1971 von der Bundesrepublik „freigekauft“ und ließ sich in Hamburg nieder. Geblieben war ihm der Hass auf den Unrechtsstaat DDR geblieben, und so agierte Gartenschläger immer wieder als Fluchthelfer bei waghalsigen Aktionen an der innerdeutschen Grenze. 31 Menschen konnte er durch den „Eisernen Vorhang“ in die Freiheit schleusen.

Bei einer dieser Aktionen, als der damals 32-Jährige versuchte, Selbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze abzumontieren, wurde er in der Nacht zum 1. Mai 1976 von einem Stasi-Spitzel verraten, geriet in eine Falle und wurde ohne Vorwarnung von einem Sonderkommando der DDR-Staatssicherheit erschossen.

Seine tragische Lebensgeschichte findet zu Recht Würdigung im „Haus der Geschichte“ in Bonn.

 

Hier der Link : http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Der-Tod-eines-Ted-Herold-Fans;art48711,1112971

 

In der DDR ein Staatsfeind

Herr Herold, haben Sie seinerzeit, 1960, von dieser Fanclub-Gründung in Strausberg in der ehemaligen DDR etwas mitbekommen?

TED HEROLD: Man hatte mir damals von einem Zeitungs-Informationsdienst Auszüge aus DDR-Zeitungen zukommen lassen, in denen sinngemäß zu lesen war: „Ted Herold fordert Jugendliche zum Terror auf“ oder „Ted Herold untergräbt die Sicherheit der DDR“. Von einem Ted-Herold-Fanclub mit vielen jungen Mitgliedern war da nie die Rede. Von dessen Existenz erfuhr ich in vollem Umfang erst, als 2006 beim früheren Grenzübergang Marienborn eine Ausstellung zur Erinnerung an Michael Gartenschläger eröffnet wurde. Ich war dort als Gast geladen und hatte lange Gespräche mit zwei früheren Mitgliedern meines Fanclubs. Dort erfuhr ich auch die ganze Dimension und Tragik, unter der meine Fans leiden mussten.

War Ihnen 1959/60 bewusst, dass Ihre Songs, weniger vom Text, eher von der Art der Musik, auch eine politische Dimension hatten?

HEROLD: Für die Machthaber der damaligen DDR galt das sicher, denn neben Elvis und Bill Haley galt auch ich als Staatsfeind. Bei jeder Fahrt von der Bundesrepublik nach West-Berlin hielt ich die Luft an, dass ich heil durch die Grenzkontrollen komme. Im Gegensatz dazu war mein Sangeskollege Peter Kraus, dessen Repertoire etwas „sanfter “ war, in der früheren DDR durchaus erlaubt und durfte dort auch auftreten.

Wann sind Sie dann das erste Mal „drüben“ aufgetreten ?

HEROLD: Nach dem Fall der Mauer und den sich dann ergebenden Auftrittsmöglichkeiten war das Interesse riesengroß, und von 1990 an habe ich regelmäßig in vollen Hallen und Plätzen gesungen. Unter anderem war ich mit Max Greger und seinem Orchester unterwegs. Max sagte damals mal zu seinem Kollegen Hugo Strasser: „Am meisten ist immer los, wenn der Ted Herold auftritt.“ Konzerte in den neuen Bundesländern haben eine ganz besondere Qualität mit viel Enthusiasmus und Zuneigung vom Publikum.

Sind Sie heute mehr Privatmann oder immer noch Rock ’n’ Roller ?

HEROLD: 72 Jahre alt und Rock ’n’ Roll – das geht immer noch. Ich bin nach wie vor oft auf Tour, ein neues Album ist in Arbeit, ich fühle mich topfit !

Gibt es noch Verbindungen zu Bad Homburg ?

HEROLD: Engere Kontakte bestehen nicht mehr. Den letzten Auftritt hatte ich vor vielen Jahren im Maritim-Hotel im Kurhaus. Bad Homburg war eine sehr wichtige Etappe in meinem Leben, hier begann meine Karriere. Nie vergessen werde ich meinen ersten Auftritt in Badehose im Bad Homburger Seedammbad 1958.

 Hier der Link zum Interwiew : http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/In-der-DDR-ein-Staatsfeind;art48711,1112981

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